„Was?!“, rief sie erschrocken. „Aber… aber wir wollten doch das machen!“

Am nächsten Morgen klingelte mein Telefon, und ich wusste sofort, wer dran war. Die Familie. Die Rechnung war immer noch nicht bezahlt – das war ja klar. Ich nahm den Hörer ab, und meine Tante Linda war die Erste, die mich anrief.

„Guten Morgen, Schatz“, sagte sie, ihre Stimme versuchte, unschuldig zu klingen, aber ich konnte den nervösen Unterton nicht überhören. „Wir haben gestern noch ein kleines Missverständnis gehabt…“

„Missverständnis?“, fragte ich, während ich mir einen Kaffee einschenkte. „Was genau meinst du?“

„Nun, es geht um die Rechnung von gestern Abend…“ Sie stockte kurz. „Wir sind alle auf der Rechnungsliste… ähm, du weißt schon, uns ist da ein kleines Malheur passiert. Aber mach dir keine Sorgen, wir regeln das.“

„Ich hoffe doch“, antwortete ich ruhig. „Denn die Rechnung ist natürlich schon bezahlt, nicht wahr?“

Ein kurzes Schweigen. „Nun, das Problem ist, dass wir irgendwie davon ausgegangen sind, dass du das übernimmst. Aber mach dir keine Sorgen! Es ist wirklich kein großes Ding, wir sind auf dem Weg, das zu klären.“

Ich hielt inne, um tief durchzuatmen. Ich wusste, dass sie auf keinen Fall daran gedacht hätten, die Rechnung tatsächlich zu übernehmen. Die ganze Familie hatte sich in die edelste Restaurantkarte vertieft, ohne auch nur ein einziges Mal daran zu denken, dass sie auch ihren Teil beisteuern müssten. Jetzt wollten sie sich herausreden.

„Also, wenn du meinst, dass du das regeln kannst, dann ist alles gut“, sagte ich und versuchte, ruhig zu bleiben. „Aber du solltest wissen, dass Oma und ich gestern schon die Rechnung übernommen haben, als ihr plötzlich verschwunden wart.“

„Was?!“, rief sie erschrocken. „Aber… aber wir wollten doch das machen!“

„Ich weiß“, sagte ich mit einem Lächeln, „aber du solltest in Zukunft besser auf die Leute achten, mit denen du dich anlegst. Besonders, wenn sie mit einem Bankkonto ausgestattet sind.“

„Warte… du hast die ganze Rechnung bezahlt?!“ Tante Linda klang jetzt völlig fassungslos. „Und du hast uns alle hier in dem Glauben gelassen, dass wir es regeln sollen?“

„Genau. Und nun sind wir alle fein raus. Ich hatte Spaß, Oma auch. Sie hat sich riesig gefreut, also was kann da schon schief gehen?“

Tante Linda war sprachlos, aber ich konnte hören, dass sie versuchte, sich zusammenzureißen. „Du hast das echt clever gemacht“, sagte sie nach einer Pause. „Ich kann dir nicht wirklich widersprechen. Aber ich werde es bei dir nicht vergessen, das verspreche ich dir.“

Ich legte auf, bevor sie sich noch weiter in Ausreden verstrickte. Es war erledigt, und ich wusste, dass ich meiner Oma und mir den Abend gerettet hatte.

Am Abend rief ich Oma an, um zu sehen, wie es ihr ging. Sie war immer noch in bester Laune. „Ich habe dir schon gesagt, dass du die Beste bist, meine Kleine“, sagte sie am Telefon. „Ich wusste, dass du mir helfen würdest, wenn es darauf ankommt. Und das Essen war fantastisch!“

Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. „Ich weiß, Oma. Ich werde immer für dich da sein – auch wenn es heißt, deine Tochter und ihre ‘guten’ Absichten ein wenig zu überlisten.“

Sie lachte. „Du bist wirklich ein cleveres Mädchen. Die anderen haben vielleicht geglaubt, dass sie mit mir Schlitten fahren können, aber ich wusste immer, dass du eine Lösung findest.“

Ich war einfach froh, dass ich ihr den Abend verschönern konnte, und dass die Familie ihre Lektion auf die harte Tour lernte. Sie hatten mich unterschätzt, aber meine Oma und ich, wir hatten unseren Spaß – und es war das Wichtigste an diesem Tag.