Ich hatte mir Weihnachten immer als ein harmonisches Fest voller Liebe und Wärme vorgestellt. Doch dieses Jahr sollte alles anders kommen. Mein Verlobter Brian hatte mich eingeladen, die Feiertage mit seiner Familie zu verbringen. Es war das erste Mal, dass ich seine Eltern treffen sollte, und ich wollte einen guten Eindruck hinterlassen. Doch schon als wir das riesige Herrenhaus seiner Familie betraten, spürte ich eine kühle Distanz.
Seine Mutter, Cora, war eine elegante Frau, die mich mit einem durchdringenden Blick musterte. „Also, du bist Sara…“, sagte sie langsam, als würde sie mein Gesicht mit einer unsichtbaren Liste abgleichen. Ihr Lächeln war professionell, aber ohne Wärme.
Kaum hatte ich mich hingesetzt, klingelte es an der Tür. Die Frau, die eintrat, war wie aus einem Hochglanzmagazin entsprungen: hohe Wangenknochen, wallendes braunes Haar, ein umwerfendes Lächeln. „Ashley, meine Liebe!“ rief Cora aus und zog sie in eine feste Umarmung.
Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ashley war Brians Ex-Freundin.
Ich sah zu Brian, doch er wich meinem Blick aus. Wusste er davon? Oder war er genauso überrascht wie ich? Ashley setzte sich direkt neben ihn und begann in Erinnerungen zu schwelgen. „Erinnerst du dich noch an unsere Skiausflüge, Brian? Diese Abende am Kamin…“
Mir wurde schlecht. War das ein Test? Oder einfach nur eine Demütigung?
Ich beschloss, mich nicht unterkriegen zu lassen. „Wie schön, Ashley“, sagte ich mit aufgesetzter Freundlichkeit. „Ich wusste gar nicht, dass die Familie Ex-Partner zu den Feiertagen einlädt.“
Cora legte ihre Gabel beiseite. „Nun, Ashley ist wie eine Tochter für uns. Wir sind eine sehr enge Familie.“
Brian schien in einer Zwickmühle zu stecken. Doch er sagte nichts.
Ich atmete tief durch. Wenn sie glaubten, mich damit kleinzukriegen, hatten sie sich geirrt.
Am nächsten Morgen hatte ich eine Idee. Wenn Ashley eingeladen war, dann konnte ich das auch. Ich nahm mein Handy und rief Josh an, meinen Ex-Freund.
Als er am Abend durch die Tür trat, sah ich, wie sich Cora’s Miene veränderte. Brian sah ihn mit zusammengekniffenen Lippen an.
„Oh, Brian!“ sagte ich mit süßlicher Stimme. „Erinnerst du dich, als Josh und ich damals nach Paris gereist sind? Wir hatten so viel Spaß…“
Ashley warf mir einen vernichtenden Blick zu, während Cora fassungslos wirkte.
Schließlich stand Brian auf. „Genug“, sagte er scharf. „Sara, können wir reden?“
Ich folgte ihm in den Nebenraum.
„Was sollte das?“ fragte er mit gereizter Stimme.
„Oh, ich dachte, wir spielen alle das gleiche Spiel“, entgegnete ich.
Er rieb sich über das Gesicht. „Ich hätte dich warnen sollen. Meine Mutter… sie hat Ashley nie losgelassen. Aber das bedeutet nicht, dass ich mich von ihr beeinflussen lasse.“
Ich verschränkte die Arme. „Dann zeig es mir. Oder willst du dein Leben von deiner Mutter bestimmen lassen?“
In diesem Moment wurde mir klar: Ich wollte einen Mann, der für mich einstand. Einen, der sich von seiner Familie nicht manipulieren ließ. Und Brian musste jetzt beweisen, dass er dieser Mann war.
Am nächsten Morgen veränderte sich alles. Brian stellte sich vor seine Mutter und sagte klar und deutlich: „Sara ist meine Zukünftige. Und wenn du sie nicht respektieren kannst, dann werden wir diese Feiertage woanders verbringen.“
Cora schnappte nach Luft, aber sie wusste, dass sie verloren hatte.
Später, als wir das Haus verließen, nahm Brian meine Hand. „Tut mir leid, dass ich dich da reingezogen habe. Ich habe meine Familie zu lange machen lassen, was sie wollten.“
Ich lächelte. „Dann war es wohl an der Zeit, dass sich das ändert.“
Und mit diesem Gedanken starteten wir in ein neues Kapitel – eins, in dem wir gemeinsam entschieden, was für uns zählte.