Nicole hatte schon lange gemerkt, dass ihre Ehe mit Mike zu einem Ende kommen musste. Die ständigen Kämpfe und seine Besessenheit von materiellen Werten hatten ihr das Leben schwer gemacht. Mike, ein Mann, der in seiner Welt des Luxus und des Statuslebens aufging, verstand die Bedeutung von Nähe und echter Verbindung nie. Doch Nicole hatte sich niemals von diesem Scheinleben einnehmen lassen. Ihr Plan war immer klar: Sie würde das Spiel mitspielen, aber auf ihre eigene Weise.
Es war ein regnerischer Freitag, als Nicole das Anwaltbüro verließ. Ihr Gesicht war müde, aber innerlich war sie voller Freude. Die Scheidung war in den letzten Zügen, und sie hatte Mike alles gegeben, was er wollte – das große Haus, das teure Auto, das Geld. Sie hatte ihm genau das überlassen, was er so sehr schätzte. Und während er in seinem Triumph badete, wusste Nicole, dass er keinerlei Ahnung hatte, dass sie längst alles vorausgeplant hatte.
Als sie das Büro verließ, spürte sie die kalten Tropfen auf ihrer Haut, aber das war das Letzte, was sie beschäftigte. Sie trat in den Aufzug, den Moment der Freiheit in vollen Zügen genießend. Dort, im Spiegel des Aufzugs, sah sie sich selbst und konnte ein kleines, zufriedenes Lächeln nicht unterdrücken. Mike dachte, er hätte gewonnen. Doch sie wusste, dass der wahre Gewinn noch bevorstand.
Die Ehe war schon lange ein Theaterstück. Mike und sein Verlangen nach Status und materiellem Besitz hatten das Leben der beiden beherrscht. Nicole hatte ihre Rolle als die perfekte Ehefrau gespielt, bis die Fassade zu bröckeln begann und die Konflikte immer größer wurden. Doch jetzt war es endlich an der Zeit, das Stück zu beenden.
Eines Abends, als Mike wieder einmal spät nach Hause kam, saß Nicole ganz ruhig in der Küche. Er schmiss seine Schlüssel auf die Arbeitsplatte und erklärte, dass er die Scheidung wolle. Nicole lächelte innerlich – genau das, was sie erwartet hatte. Sie antwortete ruhig und ohne Widerspruch, was Mike sichtlich verwirrte. Keine Tränen, kein Streit. Nur eine gelassene Zustimmung.
Scheidungsgespräche verliefen wie geplant. Mike forderte alles: das Haus, das Auto, das Geld. Sie stimmte allem zu. Die Ironie lag darin, dass er glaubte, er hätte gewonnen, während sie den letzten Schritt längst geplant hatte.
Am Tag des Umzugs nahm sie nur wenige Dinge mit – Erinnerungsstücke, die ihr wirklich etwas bedeuteten. Das Haus, das er für so wichtig hielt, hatte sich nie wie ihr Zuhause angefühlt. Sie rief ihre Mutter an, die schon wusste, dass der Plan in die letzte Phase trat. „Es ist soweit“, sagte Nicole, und ihre Mutter antwortete mit einem entschlossenen „Endlich. Das wird ein Spaß.“ Sie wusste genau, wie sie Mike in die Falle locken konnte.
Am nächsten Morgen klingelte das Telefon. Es war Mike, seine Stimme war von Wut und Verzweiflung geprägt. „Deine Mutter! Sie ist in meinem Haus! Sie hat alles übernommen!“ Nicole konnte sich das Lachen kaum verkneifen. „Erinnerst du dich an den Vertrag, den du unterschrieben hast?“, fragte sie ruhig. Der Vertrag, den Mike damals unterzeichnet hatte, als ihre Mutter die Anzahlung für das Haus geleistet hatte, gab ihr das Recht, jederzeit dort zu wohnen. Während Mike sich immer weiter aufregte, hörte Nicole die ruhige, bestimmende Stimme ihrer Mutter im Hintergrund: „Michael, nimm die Füße vom Tisch und lass mir die Fernbedienung!“
Nicole setzte sich an den Küchentisch, nahm einen Bissen Toast und genoss das Gefühl der Freiheit. Es war die perfekte Ironie. Mike hatte alles bekommen, was er wollte – und doch alles verloren. Nicole hatte endlich den Sieg errungen, den sie sich immer gewünscht hatte. Die Freiheit war süß.